Ciutadella

Ciutadella bei NachtDie zweitgrößte Stadt Menorcas mit knapp über 28.000 Einwohner, Ciutadella (spanisch: Ciudadela), liegt an der Westspitze der Insel und strahlt weniger Hektik aus, wie Maó. Übersetzt bedeutet Ciutadella "kleines Städtchen". Die Stadt (heute Gemeindesitz, früher Hauptstadt ganz Menorcas) wurde ursprünglich von den Karthagern gegründet. Später wurde sie von den Vandalen erobert und ins byzantinische Reich eingegliedert.

Während der spanischen Herrschaft im vierten Jahrhundert, die der zweiten englischen Kolonisation folgte, wurde Ciutadella Sitz eines Bischofs. Im siebten Jahrhundert gab es immer wieder Angriffe der Muselmanen, die endgültige Eroberung fand jedoch nicht vor Beginn des zehnten Jahrhunderts statt. Unter der muselmanischen Herrschaft wurde aus der Medina Minurka die Stadt Ciutadella. Bis 1722 war sie Hauptstadt von Menorca, ehe der Engländer Richard Kane die Gerichte und Verwaltungsbehörden nach Maó verlegte. Unter der französischen Herrschaft gab es ein reges kulturelles Leben, wodurch die neuzeitlichen Ideenströme Europas auf die Insel gebracht wurden.

Plaça d'es BornDie Altstadt ist eine burgähnliche Festung mit labyrinthähnlichen Gassen, die an die muselmanische Präsenz erinnern und von dem Plaça d'es Born innerhalb der Stadtmauern ausgehen. Auf dem großen, herrschaftlichen Platz steht ein in der Mitte des 19. Jahrhunderts errichteterer Obelisk, der an den Angriff der Türken im Jahre 1558 erinnert, bei dem die Einwohner getötet oder als Sklaven entführt wurden. Auf dem Plaça d'es Born befindet sich ebenfalls das Rathaus, ein Sinnbild der Macht, das Theater d'es Born und die im neoklassischem Stil erbauten herrschaftlichen Paläste Salort, Vivó und Torre Saura, Eigentum des alten Adels, der auch heute noch in der Gesellschaft hohes Ansehen genießt.

Ses Voltes CiutadellaVon der Plaça des Born gehen die Strassen zur Altstadt, vorbei an einer imposanten Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert, die auf den Grundmauern einer alten arabischen Moschee errichtet wurde. Neue architektonische Bauten wie, die Kirche del Roser oder der Palast Saura, beide in Ausstellungssäle verwandelt, kann man von dort aus bewundern. Besonders beliebt ist der Ses Voltes, eine Flanier- und Geschäftsmeile, von der man auch die Bronzestatue eines Hammels, der bei der Fiesta von Sant Joan von großer Bedeutung ist, bestaunen kann. Am 23. und 24. Juni feiert ganz Ciutadella den Namenstag ihres Schutzpatrons, eines der spektakulärsten Volksfeste des Landes. Das Pferd ist dabei eines der Hauptakteure; die populären Reiterspiele gehen auf Rituale des Mittelalters zurück (ein Bericht).

Als Bistumssitz der Insel besitzt Ciutadella verschiedene religiöse Stätten, wie das Kloster von Santa Clara oder die wunderschöne Kirche des Sant Christ.

Ses Voltes CiutadellaSehr malerisch an einer tiefen Bucht liegend ist der Hafen von Ciutadella mit seinen vielen Restaurants und den Lokalen Pla de Sant Joan eine Reise wert. Dort kommt es gelegentlich zum Rissaga-Phönomen, dem Entstehen von Tsunami-ähnliche Riesenwellen beim Eintreffen mehrere meteorologische Faktoren. Dabei wird das Wasser erst aus der Bucht herausgesaugt und kehrt dann als Riesenwelle zurück. Zuletzt trat die rissaga am 15. Juni 2006 auf, 30 Boote sanken und 100 weitere wurden beschädigt.

Die Stadt bietet ebenfalls genug Orte um sich in Ruhe auf einer der vielfältigen Terrassen niederzulassen oder seine Antiquitätengeschäfte und Kunsthandwerkszentren, die wie das Steinbruchmuseum und den Fabrikverkauf für Lederwaren auch vor den Toren der Stadt liegen, kennen zu lernen.

Die wilden Reiter von Cituadella.